Pressemitteilung – PETA Deutschland e.V. / Offener Brief ECF

Berlin, den 6.2.2018

Liebe ECF Community,

ich melde mich ja eher selten zu Wort, aber heute ist mir eine Pressemitteilung zugeschickt worden, die mich zutiefst enttäuscht hat. (Siehe unten)

Wir verfolgen das Ziel, ressourceneffizient mit einem maximalen Nachhaltigkeitsgedanken Lebensmittel zu produzieren. Uns wird nun aus der Ferne vom PETA Deutschland e.V. vorgeworfen, dass wir unsere Fische quälen, in der Art und Weise wie sie bei uns aufgezogen und verarbeitet werden.

Bei der Aufzucht und Verarbeitung unserer Fische halten wir uns an sämtliche Vorgaben des Tierschutzgesetzes und an die Vorgaben des Veterinäramtes. Darüber hinaus werden wir extern überprüft, da wir u.a. HACCP zertifiziert sind. Mir liegt das Wohl der Tiere besonders am Herzen. Deshalb achten wir darauf, dass das Wasser, in dem die Fische leben eine hohe Wasserqualität hat, die Fische hochwertiges Futter bekommen und in einer kontrollierten Besatzdichte leben, in der sie sich als Schwarmtier wohlfühlen. Meine Fische sind gesund, weisen eine extrem niedrige Mortalität auf. Wir haben keine Krankheiten und arbeiten nun schon seit Bestehen unserer Firma ohne die Zugabe von Medikamenten. Unsere Fische haben einen gesunden Appetit und wachsen stressfrei auf.

Zahlreiche namhafte TV Sendungen und Magazine haben über die Farm in gut recherchierten Beiträgen berichtet, als positives Beispiel in Sachen Nachhaltigkeit, darunter Ökotest, Bioboom, Alverde oder auch das Greenpeace Magazin. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat mein Unternehmen in seinen „Meeresatlas“ aufgenommen, als wichtige Initiative zur Schonung der Weltmeere.

Aber mir geht es in erster Linie gar nicht so sehr um den Vergleich unserer Definitionen im Einzelnen. Was mich enttäuscht ist, dass ich dachte, dass wir am gleichen Strang ziehen wie PETA, die Welt ein wenig nachhaltiger zu gestalten.

Ich verstehe nicht, wie man glaubt aus der Ferne beurteilen zu können, ob es unseren Fischen gut geht. Besucher des wöchentlich stattfindenden Tags der offenen Tür können nur durch ein Panoramafenster aus der Distanz die Fische sehen. Wir gehen nicht mit großen Gruppen in unsere Aquakultur, um unsere Tiere keinem unnötigen Stress auszusetzen, nebst hygienischen Gründen. Ich gehe mal davon aus (und hoffe), dass PETA einen Tag der offenen Tür besucht hat. Mit dieser Grundlage aber solche Aussagen über den Gesundheitszustand unserer Tiere und deren Haltung und Verarbeitung zu treffen kann ich nicht nachvollziehen.

PETA setzt sich für den Schutz der Tiere ein. Ein Unterfangen, dass ich mit vollem Herzen unterstütze.

Ich setze mich mit dem ECF Team dafür ein, in Zeiten einer wachsender Weltbevölkerung und steigender Ressourcenverbräuche den Fischbestand der Weltmeere zu schonen und in der Lebensmittelproduktion generell weniger Wasser zu verbrauchen und weniger CO2 emittieren. Hierfür hat mein Team die ECF Farm Berlin in Betrieb genommen, in der uns das schon ganz gut gelingt. Wir nutzen Regenwasser, das von Fischen mit Nährstoffen angereichert wird, um darin Basilikum anzubauen.

Ich möchte auf diesem Wege die Mitarbeiter des PETA Deutschland e.V. dazu einladen, die ECF Farm in Berlin einmal selbst zu erleben, auch gerne hinter den Kulissen.

Mein Wunsch ist und bleibt es, dass wir Akteure gemeinsam daran arbeiten unsere Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten, dass wir Ressourcen schonen, transparent arbeiten und offen kommunizieren. Im Sinne der Gemeinwohlökonomie und zum Wohle der kommenden Generationen.

Lieben Gruß aus der ECF Farm in Berlin-Schöneberg,
Nicolas Leschke, Gründer und Geschäftsführer der ECF Farmsystems GmbH

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From: Pressestelle Peta Deutschland e.V. Date: 2018-02-06
Subject: Fische sind kein Gemüse: Berliner Aquaponik-Firma ECF Farmsystems züchtet Barsche unter widrigen Bedingungen / PETA erstattet Strafanzeige

Berlin / Stuttgart, 6. Februar 2018 – Erschreckende tierquälerische Zustände: Das Unternehmen Ecofriendly Farmsystems (ECF) hält in seiner Berliner Aquaponik-Farm zehntausende Fische auf engstem Raum. Die Ausscheidungen der Tiere werden als Dünger für den Anbau von Kräutern genutzt, die in einem Kreislauf gezüchtet werden. Das als Aquaponik bezeichnete Verfahren wird von ECF als umweltfreundlicher Trend angepriesen. Das Kunstwort Aquaponik setzt sich zusammen aus Aquakultur und Hydroponik, was Pflanzenanbau im Wasser bedeutet. PETA ist der Meinung, dass die tierverachtende Methode einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz (§ 2) darstellt, und zeigte den CEO der GmbH jetzt bei der Staatsanwaltschaft Berlin an.

„Fische sind Lebewesen, kein Gemüse. Heute wissen wir, dass ein Fisch ein ‚Jemand‘ ist und kein ‚Etwas‘. Vor diesem Hintergrund ist es ein Armutszeugnis, die tierquälerische Aquaponik-Methode zu glorifizieren“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Die sensiblen Wirbeltiere sind individuelle Persönlichkeiten. Sie haben ein reiches Sozialleben, schließen Freundschaften, kommunizieren und spielen. Da all das in der Aquaponik-Zucht nicht möglich ist, stellt diese einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.“

In der Berliner Aquaponik-Farm werden jedes Jahr 40.000 Fische in äußerst enge Becken gepfercht, nach sieben Monaten qualvollen Lebens getötet und als „Hauptstadtbarsch“ verkauft. Wie die Betreiber Lebewesen verdinglichen, zeigt sich auch darin, dass sie von „Ernte“ sprechen. Die furchtbaren Bedingungen, unter denen die Fische bis zu ihrem Tod leben müssen, verstoßen für PETA eindeutig gegen das Tierschutzgesetz. In den Becken gibt es weder Pflanzen, noch Verstecke oder Abwechslung für die Tiere. Zudem bieten sie für die riesige Zahl von Fischen so wenig Platz, dass artgerechte Bewegung absolut unmöglich ist.

Während bei der Aquarienhaltung Vorgaben für die Haltung von Fischen zu berücksichtigen sind, gibt es solche Regeln bei der Zucht von sogenannten „Speisefischen“ nicht. Das deutsche Tierschutzgesetz legt jedoch fest: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Außerdem darf er die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Die Strafe bei Zuwiderhandlung beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsentzug.

PETA vertritt die Ansicht, dass Fische weder auf den Teller noch in ein Aquarium gehören. Ein artgerechtes Leben ist nur in Freiheit möglich. Fische schneiden in Intelligenztests überdurchschnittlich gut ab [1], sie haben ein komplexes Sozialleben und sind loyal [2]. Vor allem aber: Sie spüren Angst, Stress und Schmerz. Die britische Biologin Lynne Sneddon wies nach, dass Fische über zahlreiche Schmerzrezeptoren verfügen [3]. Zudem zeigen die Tiere „Schmerzverhalten“: Sie bewegen sich ruckartig, reiben ihren Mund am Beckenrand, stellen die Nahrungsaufnahme ein und ihre Atemfrequenz erhöht sich. Werden ihnen Schmerzmittel verabreicht, stellen die Fische dieses Verhalten wieder ein (4). PETA spricht sich generell gegen das Angeln und den Fischfang aus und unterstützt die 2017 ins Leben gerufene Weltkampagne zur Abschaffung der Fischerei [4].

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

[1] https://www.emory.edu/LIVING_LINKS/publications/articles/Salwiczek_etal_2012.pdf

[2] http://us.macmillan.com/books/9780374714338

[3] Sneddon, L. U., Braithwaite, V. A., & Gentle, M. J. (2003). Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 270(1520), 1115–1121. http://doi.org/10.1098/rspb.2003.2349

[4] Sneddon, L. U. (2003). The evidence for pain in fish: the use of morphine as an analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2), 153-162. DOI: 10.1016/S0168-1591(03)00113-8

[6] https://www.end-of-fishing.org/de.

Weitere Informationen
PETA.de/Themen/Fische
PETA.de/Fische-Schmerz-Neocortex

Kontakt:
Judith Stich, +49 30 6832666-04, JudithS@peta.de

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